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Die Matter-Neuheiten der CES im Überblick

Beim alljährlichen Schaulaufen der Elektronik-Branche in Las Vegas gehörte der Smarthome-Standard matter wieder zur Kür. Einige Unterstützter hielten sich mit Ankündigungen diesmal jedoch zurück. Sie müssen erst noch die Pflicht vom letzten Jahr erledigen: Geräte oder Software-Updates liefern, die bereits für 2022 angekündigt waren. Auch von den Neuheiten 2023 werden viele wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahres erhältlich sein. Hier der Überblick in alphabetischer Reihenfolge.

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Aqara

Bereits während der CES 2022 hatte Aqara Sensoren mit dem Funkstandard Thread für matter angekündigt. Der Tür-/ Fensterkontakt P2 und der Bewegungs-/ Lichtsensor P2 waren diesmal wieder ein Thema – und an den Messeständen von Google und Samsung zu sehen. Die Markteinführung ist für die „kommenden Monate“ geplant, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung. Auch das ursprünglich für Dezember geplante Software-Update des Aqara Hub 2 verzögert sich. Es soll die Zigbee-Zentrale der Chinesen kompatibel zum matter-Standard machen – und mit ihr eine Vielzahl von Geräten des Herstellers. War zunächst von Januar die Rede (link), nennt Aqara jetzt keinen konkreten Termin mehr und spricht allgemein von 2023.

Die neuen Aqara-Produkte sollen früher oder später matter unterstützen. Bild: Hersteller

Im Laufe des Jahres sollen noch mehr Produkte auf den Markt kommen, die den matter-Standard unterstützen – darunter der Anwesenheitssensor FP2, der LED-Leuchtstreifen T1 und der Motorantrieb U100 für Bolzenschlösser. Alle drei arbeiten mit Zigbee, benötigen also einen Aqara-Hub für die Verbindung. Die Videotürklingel G4 käme ohne diese Zentrale aus, weil sie im WLAN funkt, findet vorerst aber keinen Anschluss an matter, weil ihre Geräteklasse noch im Standard fehlt. Aqara will die Unterstützung nachliefern, sobald es Videotürklingeln als eigene Produktkategorie in matter gibt.


Athom

Das niederländische Unternehmen Athom hat sein brandneues Produkt Homey Pro auf die CES mitgebracht. Die universelle Smarthome-Zentrale kann auf der Herstellerseite vorbestellt werden (link) und soll ab Februar lieferbar sein. Sie unterstützt bereits zum Start eine Vielzahl an Verbindungsmöglichkeiten. So lassen sich Geräte über 433-MHz-Funk, Bluetooth 5.0, Z-Wave Plus, Zigbee 3.0, WLAN und Infrarot steuern. Was matter angeht, dauert es allerdings noch: Fürs 2. Quartal 2023 ist ein Software-Update angedacht, das den Hub kompatibel mit dem Standard macht. Im 3. Quartal soll dann das Thread-Protokoll folgen. Homey Pro wäre damit wohl die erste matter-Bridge, die alle gängigen, herstellerübergreifenden Verbindungsprotokolle im Smarthome unterstützt.

Eine für alle? Home Pro soll eine wirklich universelle Smarthome-Zentrale werden. Bild: Athom

Bosch

Der Bosch-Konzern nutzte die CES 2023 vor allem, um auf seine Kompetenz in der Sensorik hinzuweisen und Mobilitätslösungen zu zeigen. matter war in diesem Rahmen kein Thema. Allerdings erneuerte die Smarthome-Abteilung zeitglich ihr Bekenntnis: 2023 soll der Standard schrittweise in Produkte des Unternehmens einziehen (link). Ein neuer Smarthome-Controller wurde dafür in Europa bereits vorgestellt. Die Funzentrale der zweiten Generation arbeitet mit Zigbee 3.0 und soll im Laufes des Jahres ein Software-Update für matter erhalten. Des Weiteren sind neue Endgeräte geplant, die den matter-Standard von Haus aus unterstützen. Welche das sind und wann sie erscheinen, verrät das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Der Smart-Home-Controller der 2. Generation soll 2023 matter-fähig werden. Bild: Bosch

Eve Systems

Seit Dezember 2022 lassen sich drei Produkte aus dem Eve-Sortiment mit einem speziellen Software-Update nachträglich auf matter umstellen. In Las Vegas hat der Hersteller nun den Verkaufsstart bekannt gegeben: Ab 28. März 2023 sind Eve Door & Window, Eve Energy und Eve Motion offiziell mit der neuen matter-Firmware im Handel erhältlich. Käuferinnen und Käufer können sie direkt nach dem Auspacken in ein matter-Ökosystem wie Apple Home oder Samsung SmartThings einbinden.

Das Eve MotionBlinds Upgrade Kit zum Nachrüsten vorhandener Rollos. Bild: Eve Systems

Ungefähr zu selben Zeit will der Hersteller auch Software-Updates für seine Eve Motion Blinds ausliefern. Wer bereits Rollos zu Hause hat und keine neuen vom Raumausstatter anschaffen will, erhält außerdem die Möglichkeit zum Nachrüsten: Mit dem Upgrade Kit for Roller Blinds bietet Eve Systems künftig einen Rohrmotor für vorhandene Rollos an. Er ist drahtlos über das Thread-Protokoll steuerbar und wie die maßgeschneiderten Exemplare vom Fachmann matter-fähig.


GE Lighting / Cync

Unter dem Namen Cync hat GE Lighting schon diverse Smarthome-Produkte im US-Handel. Auf der CES gab das Tochterunternehmen des amerikanischen Haustechnik-Spezialisten Savant nun seine Unterstützung für den matter-Standard bekannt. Das Cync-Sortiment soll schrittweise kompatibel werden. Den Anfang machen 2023 der Indoor Smart Plug und die Full Color Direct Connect Smart Bulb – zwei WLAN-Produkte, die ohne Bridge arbeiten. Sie werden matter-fähige Nachfolger erhalten. Ein Software-Update der bislang verkauften Modelle sei nicht geplant, so der Hersteller (link).

Neue Version mit matter: Die WLAN-Lampe von Cync. Bild: GE Lighting

Govee

Das Messe-Hightlight von Govee, eine Sync-Box für Gamer, hätte ihr fast die Schau gestohlen – doch eine Neuheit des chinesischen Herstellers ist auch für Menschen interessant, keine Synchronisation ihrer Raumbeleuchtung mit dem Bildschirminhalt wünschen: Govees LED-Leuchtstreifen M1 bekommt einen Nachfolger (link). Er heißt wie der Vorgänger, Strip Light M1, ist aber deutlich kürzer (2 statt 5 Meter). Dafür soll er vom ersten Tag an matter unterstützen und nur das erste Glied in einer ganzen Kette an matter-kompatiblen Produkten sein. Geplante Auslieferung: 2. Quartal 2023.

Die nächste Generation des Strip Light M1 soll vom ersten Tag an matter-fähig sein. Bild: Govee

Hisense

Die Hisense-Gruppe, laut eigener Aussage weltweit die Nummer zwei bei Fernsehern und Haushaltsgeräten, hat sich auf der CES als matter-Unterstützer positioniert. Die Chinesen sind der Connectivity Standards Alliance (CSA) beigetreten und wollen ihre Produkte kompatibel mit dem neuen Standard machen (link). Zu Art und Umfang läßt der Konzern, dem auch Marken wie ATAG, Gorenje und ASKO angehören, noch nichts verlauten. 2023 sollen aber erste Produkte auf den Markt kommen, die matter unterstützen.

Hisense setzt bei seiner globalen Expansion auch auf den matter-Standard. Bild: Hisense

Mui Lab

Die CES ist für Mui Lab so etwas wie ein Heimspiel. Das Start-up aus Kyoto hat für sein Konzept eines berührungsempfindlichen Holzbretts schon zwei CES Innovation Awards gewonnen – 2019 und 2022. Auch diesmal sind die Japaner wieder nach Las Vegas gereist und hatten ihr Mui Board 2.0 im Gepäck. Die Neuauflage des balkenförmigen Smarthome-Controllers leuchtet wie der Vorgänger bei Berührung auf und stellt wechselnde Bedienelemente dar. Nach Gebrauch erlöschen die LEDs hinter dem Holzfurnier und hinterlassen ein unauffälliges Erscheinungsbild. „Calm Tech“ – ruhige Technik – nennt Mui Lab dieses Prinzip. Dank matter soll die zweite Generation deutlich leistungsfähiger und vielseitiger sein als der Vorgänger, der sich für die Steuerung von Geräten noch der IoT-Plattform IFTTT bediente. Auch war das erste Mui Board praktisch nicht erhältlich. Das soll beim Nachfolger anders werden. Crowdfundung für das Produkt soll im Sommer auf Kickstarter beginnen. Die Auslieferung ist für Winter 2023 geplant.

matter an Bord: das neue Mui Board 2.0 wird den Standard unterstützen. Bild: Mui Lab

Nanoleaf

Gimmy Chu, Nanoleaf-CEO, hatte es im Interview letzten Herbst angekündigt: „Wir planen, eine Reihe neuer Produkte auf den Markt zu bringen, sobald der Standard verfügbar ist“. Die Neuauflage der Leuchtmittel-Serie Essentials schindet dabei noch am wenigsten Eindruck. Für mehr Aufsehen sorgte in Las Vegas das modulare Deckenlicht Nanoleaf Skylight. Bestehend aus quadratischen Paneelen, kann es in Reihen oder Mustern verlegt werden. Und ähnlich wie die bekannten Nanoleaf-Module für die Wand leuchten die Panels wahlweise in Weiß oder bunt mit 16 Millionen Farben. Neben Szenen-Einstellungen in der Nanoleaf-App gibt es auch eine Möglichkeit, die WLAN-gesteuerten Module mit Musik oder Bildschirmen zu synchronisieren. matter-Enthusiasten brauchen allerdings Geduld: Die Skylights sollen erst im 3. Quartal 2023 auf den Markt kommen.

Lichtbaukasten: Nanoleaf-Skylights mit matter-Unterstützung. Bild: Nanoleaf

Der Lichtspezialist nutzt die Zeit bis dahin, um neben matter noch eine weitere Technologie zu integrieren, die Nanoleaf schon länger angekündigt hat. Wie Gimmy Chu im Interview es nannte: eine „Automatisierung, die im Hintergrund läuft, während die Verbraucher ihren täglichen Aufgaben nachgehen“. Der Schlüssel dazu heißt Sense+. Über integrierte Bewegungs- und Helligkeitssensoren erfassen Nanoleaf-Produkte das Verhalten von Personen im Raum und melden diese Daten an einen digitalen Assistenten namens Nala. Er analysiert die Tagesabläufe und unterbreitet Vorschläge in der Nanoleaf-App, wie sich die Beleuchtung am besten automatisieren lässt.

Die kommende Nala-Bridge verfügt über Sensoren und ein Nachtlicht. Bild Nanoleaf

Die Sensoren können in Leuchten wie den Skylights eingebaut sein, der Hersteller will aber auch fest verdrahte Lichtschalter oder Funkprodukte damit anbieten. Der Assistent sitzt in einer sogenannten Nala-Bridge, die Nanoleaf als Funkstecker mit integriertem Nachtlicht konzipiert hat. Per Software-Update sollen Produkte wie die Nanoleaf Shapes, Elements und Lines, die als Thread-Border-Router dienen, aber ebenfalls als Nala-Bridge arbeiten können. Das System wird mit allem matter-kompatiblen Leuchten funktionieren, den Nutzern von Nanloeaf-Produkten stellt der Hersteller aber zusätzliche Funktionen in Aussicht. Die immer gut informierte Jennifer Pattison Tuohy von „The Verge” hat schon mehr dazu herausgefunden (link). Auch hier gilt: Frühestens im dritten Quartal 2023 kommen Produkte mit Sense Plus und der Nala-Funktion auf den Markt.


Samsung / SmartThings

Zwei scheinbar gegenläufige Entwicklungen sind bei Samsung zu beobachten: Auf der einen Seite setzt das Unternehmen seine Strategie fort, den SmartThings Hub als Funkzentrale verschwinden zu lassen. Die Funktion wandert in andere Geräte. So müssen Käuferinnen und Käufer der neuen QLED-TVs zum Beispiel keinen USB-Dongle mehr anschließen, um Zigbee- oder Thread-Geräte zu steuern. Samsung baut ein SmartThings Zigbee & Matter-Modul ab 2023 direkt in seine Geräte ein (link).

Andererseits präsentierten die Koreaner auf der CES erneut einen Hub – wenn auch in besonderer Form. Die SmartThings Station tarnt sich als drahtlose Ladestation für Smartphones, dient aber gleichzeitig als Thread-Border-Router und Zigbee-Zentrale. Nur wer Z-Wave-Geräte verbinden will, benötigt weiterhin einen der klassischen SmartThings Hubs von Samsung oder Aeotec. Ein Knopf auf der Oberseite lässt sich mit Szenen aus dem SmartThings-System belegen. So ruft ein kurzer Tastendruck etwa beim Schlafengehen das Gute-Nacht-Szenario auf, am Morgen fährt ein langer Druck die Rollläden hoch. Leider kommen vorerst nur Koreaner und US-Amerikaner in den Genuss der cleveren Gerätekombination. Die Markteinführung ist für Februar 2023 geplant (link).

SmartThings Station: Ladepad und Smarthome-Zentrale in einem. Bild: Samsung

SwitchBot

SwitchBot-Produkte wie der namengebende Knöpfchendrücker oder der Vorhangantrieb SwitchBot Curtain arbeiten mit Bluetooth. Sie benötigen für die Smarthome-Integration schon immer einen Hub. Diesen Hub tauscht der Hersteller nun aus, um seine Bluetooth-Produkte matter-kompatibel zu machen. Der SwitchBot Hub 2 soll ein entsprechendes Software-Update im ersten Quartal 2023 erhalten, gefolgt vom SwitchBot Curtain als erstes Produkt, das matter „spricht“. Weitere Geräte werden laut Hersteller im Laufes des Jahres folgen – darunter auch der Türschlossantrieb SwitchBot Lock. Andere Produkte im Sortiment, die WLAN als Funkstandard nutzen, werden direkt per Update matter-fähig. Sie funktionieren auch künftig ohne Bridge.

Der SwitchBot Hub 2 verbindet Bluetooth-Produkte des Herstellers mit matter. Bild: SwitchBot

Gleich 15 Produkte im neuen matter-Standard hat TP-Link für Nordamerika präsentiert. Erfahrungsgemäß werden nicht alle davon den Weg in andere Märkte finden. So eignet sich der gezeigte Formfaktor des kompakten Zwischensteckers Tapo P125M zum Beispiel nicht für europäische Steckdosen. Er soll das erste matter-Produkt von TP-Link auf dem US-Markt sein – erhältlich ab Januar 2023. Im März folgt ein Wanddimmer namens Tapo S505D (link). Weiterhin in der Pipeline: Mehrfachsteckdosen, LED-Lampen und Heizkörperregler, die teilweise einen matter-zertifizieren Hub von Tapo verlangen. Diesen hat TP-Link in Las Vegas auch gleich vorgestellt: Die Tapo H900 Homebase soll Geräte über WLAN, Bluetooth, Thread und andere Protokolle verbinden. Mit ihrem dreieckigen Profil kann dabei sie gleichzeitig als Auflage für ein Tablet mit Steuersoftware dienen (Bild). Eine Liste aller Typenbezeichnungen nennt die Firmenwebseite (link).

Die H900 Homebase von TP-Link mit aufgelegtem iPad. Bild: TP-Link

Yeelight

Dass viele chinesische Anbieter den matter-Standard begrüßen, zeigt nicht zuletzt Yeelight. Das Unternehmen hat schon früh bekannt gegeben, sein Bluetooth-basiertes Lichtsystem Yeelight Pro in Richtung matter zu öffnen. Auf der CES wurde dieses Bekenntnis vom letzten Jahr erneuert und ein entsprechendes Software-Update für das Pro-Gateway im 2. Quartal 2023 in Aussicht gestellt. Leuchten und Leuchtmittel der Marke, die am Gateway angemeldet sind, sollten sich danach auch über matter-Ökosysteme steuern lassen. Außerdem plant der Hersteller eine Reihe neuer Produkte, den den Standard gleich von Haus aus unterstützen.

Erster Vertreter dieser Gattung ist die modulare Tischlampe Yeelight Cube. Sie besteht aus drei verschiedenen Würfeltypen – Spot, Matrix und Panel. Je nach Zusammenstellung werfen sie gerichtetes Licht (Spot), zeigen Pixelgrafiken an (Matrix) oder spenden eine flächige, diffuse Helligkeit (Panel). Der Nutzer kann sein Lichtobjekt also nach Wunsch zusammenwürfeln. Zur Verfügbarkeit machte der Hersteller noch keine Angaben.

Eine Cube-Lampe, bestehend aus vier Matrix-Würfeln, Panel und Spot (v.l.n.r). Bild: Yeelight

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