Matter 1.3

Matter 1.3 – ein Deep Dive in die Neuerungen

Matter 1.3 ist da – und gespickt mit neuen Funktionen. Wie die standardisierende Organisation CSA auf ihrer Webseite mitteilt (link), hat die neue Version drei Schwerpunkte: Energie- und Wasser-Management, neue Hausgeräte-Kategorien sowie allerlei Verbesserungen und Erweiterungen. Wann Produkte auf den Markt kommen, die Matter 1.3 unterstützen, hängt nun von den Herstellern ab. Sie können die neuen Spezifikationen ab sofort umsetzen.



Energieverbrauch messen mit Matter

Den Stromfluss im Haushalt zu kennen, wird immer wichtiger – um Geräte intelligent zu schalten, was Kosten spart und den CO2-Fußabdruck reduziert. Smarte Steckdosen von Ecoflow, Eve, TP-Link und anderen Herstellern messen den Energieverbrauch. Sie zeigen diese Werte in ihrer Hersteller-App an (siehe unten) und wenige kompatible Systeme können die Daten zum automatischen Schalten verwenden. Dazu mussten die Anbieter bislang für jedes Smarthome-Steuersystem individuelle Anpassungen vornehmen. Eve etwa hat mit Apple zusammengearbeitet und Treiber für SmartThings programmiert, um seine Energiedaten in deren Ökosystemen nutzbar zu machen.

Die Energieanzeige des Matter-Plugs von TP-Link in der herstellereigenen Tapo-App. Bild: digitalzimmer.de

Mit Matter 1.3 gibt es ab sofort eine herstellerübergreifende Lösung: Die neue Version des Standards führt Energieberichte ein. So kann jeder Gerätetyp seine Messwerte in Echtzeit übermitteln, seien es tatsächliche oder geschätzte Daten. Informationen wie die momentane Leistung, Spannung und Stromstärke sowie der Verbrauch oder die Energieerzeugung im Zeitverlauf stehen somit allen Systemen zur Verfügung, die das neue Feature unterstützen.

Auch Eve hat vor, diese Möglichkeiten nutzen: „Über im Laufe des Jahres erscheinende, kostenlose Firmware-Updates bilden wir die umfangreichen Reporting-Kapazitäten unserer Eve-Energy-Produkte mit nativer Matter-Funktionalität ab“, erklärt Lars Felber, Director PR bei Eve Systems. Damit werden auch andere Matter-Plattformen als die beiden bisherigen Ökosysteme mit den Eve-Messwerten arbeiten können.

Die Funktionalität ist aber nicht auf Steckdosen begrenzt. Chris LaPré, Leiter Technik in der CSA: „Es handelt sich um einen Software-Cluster. Sofern die Hardware dazu in der Lage ist, lässt sich das Matter-Energiemanagement per Software umsetzen. Das geht zum Beispiel auch mit Glühbirnen oder anderen Geräten, die über die entsprechende Technik verfügen.“ Man stelle sich vor, in Zukunft würden alle Matter-Geräte im Haushalt, die ans Stromnetz angeschlossen sind, auch in Echtzeit Daten über ihren Verbrauch liefern. Das Potenzial für Energieeinsparungen wäre enorm.

E-Auto-Ladestationen mit Matter

Wie stark das Energiemanagement von Matter auch in den professionellen Bereich hineinspielt, zeigt eine neue Produktkategorie: EVSE (Electric Vehicle Supply Equipment). Der Begriff bezeichnet Ladegeräte für Elektrofahrzeuge, die in Matter 1.3 erstmals auftauchen. „Wir haben ein ziemlich großes Energiemanagement-Team, das sich aktuell mit zehn Funktionswünschen beschäftigt, so LaPré von der CSA. Sie arbeiten an Dingen wie Wärmepumpen und Solar-Wechselrichtern. Aber E-Auto-Ladesysteme haben es als Erstes in den Standard geschafft.“

Wallboxen und Ladesäulen können damit eine einfache und nutzerfreundliche Möglichkeit bieten, den Ladevorgang zu steuern. Er lässt sich über Matter starten und stoppen, die Ladegeschwindigkeit kann angepasst werden oder festgelegt, wie viele Kilometer Reichweite bis zu einer bestimmten Abfahrtszeit „aufgetankt“ sein sollen. Die Station optimiert den Prozess dann idealerweise so, dass die Ladung zu einer günstigen und CO2-armen Zeit erfolgt.

Vielleicht bald möglich: Elektroauto laden mit Matter-Unterstützung. Bild: Pixabay

Wie und wann die neue Möglichkeit zum Einsatz kommt, muss sich zeigen. Zumal andere Komponenten für ein umfassendes Energiemanagement wie Wärmepumpen oder Batteriespeicher aktuell noch fehlen und Matter auf diesem Gebiet mit weiteren Protokollen wie EEBUS, OCPP und Sunspec konkurriert. Dass die Kategorie in Matter auftaucht, heißt aber zumindest, dass es Hersteller gibt, die darüber nachdenken – und sie gerne entsprechende Produkte auf den Markt bringen würden. Sonst investiert wohl niemand den Zeitaufwand und das Geld für eine Mitarbeit in den CSA-Arbeitsgruppen.

Wassermanagement im Matter-Standard

Die Version 1.3 unterstützt erstmals Leck- und Frostmelder, Regensensoren sowie steuerbare Ventile, etwa für die Gartenbewässerung. Darauf lassen sich nun umfangreiche Maßnahmen zur Kontrolle und zum Schutz vor Wasserschäden aufbauen. Ein Kandidat für die zeitnahe Umsetzung wäre Eve-Systems, die mit ihrem funkgesteuerten Bewässerungsventil Eve Aqua und dem WLAN-Wassersensor Eve Water Guard bereits Produkte für das Wasser-Management auf dem Markt haben – allerdings bislang nicht für Matter zertifiziert.

Der Eve Aqua der 2. und 3. Generation gehören in die Riege der Thread-Produkte, von denen schon einige den Sprung auf die neue Matter-Firmware geschafft haben. Auf Nachfrage macht der Hersteller aber keine Zusagen oder nennt Fahrpläne zu den Produkten.

Neue Hausgeräte-Kategorien in Matter

Matter 1.2 brachte im Herbst 2023 erstmals Hausgeräte in den Standard. Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Saugroboter können seither integriert und gesteuert werden. Wenngleich davon bislang wenig zu sehen ist: Es gibt Ankündigungen von Bosch/Siemens (BSH), Ecovacs und Roborock, teilweise ist die Zertifizierung auch schon erfolgt. Die Produkte lassen aktuell aber noch auf sich warten.

Ecovacs Deebot X2 Combo
Der Deebot X2 Combo ist einer der angekündigen Matter-fähigen Saugroboter. Bild: Hersteller

Was den Standard nicht daran hindert, weiter voranzuschreiten und den Boden für neue Hausgeräte zu bereiten. In Matter 1.3 kommen fünf Produktkategorien hinzu, die – mit einer Ausnahme – in der Küche beheimatet sind:

  • Mikrowellenöfen teilen ihre Betriebsart und die Leistungseinstellung mit. Sie können Benachrichtigungen verschicken, wenn ein Vorgang abgeschlossen oder das Essen fertig ist. Bei geräteübergreifenden Konfigurationen, in denen die Mikrowelle etwa einen Dunstanzug steuern soll, unterstützt Matter laut CSA solche Szenarien, die für diese Kombinationen typisch sind.
  • Backöfen und Herde finden im Matter 1.3 ebenfalls Berücksichtigung. Der Standard bildet alle gängigen Bauformen ab, vom Einbaugerät über frei stehende Herde bis zu Unterbau-Lösungen mit Kochfeld. Bei mehreren Garräumen kann jeder individuell gesteuert werden, sowohl was die Betriebsart (Ober-/Unterhitze, Heißluft, Braten, Dampf, Braten/Grillen, Garen) als auch die Temperatur betrifft. Statusinformationen zum Zustand wie Vorheizen und Abkühlen oder wenn eine gewünschte Zieltemperatur erreicht ist, werden ebenfalls unterstützt.
  • Elektrische (Induktions-)Kochfelder lassen sich ferngesteuert einschalten, sofern die rechtlichen Vorschriften dies erlauben. In Deutschland etwa ist ein Fernstart von Kochfeldern wegen Sicherheitsvorschriften nicht möglich. Bei Backöfen muss die Funktion vor Aktivierung mit einer Taste am Gerät bestätigt werden. Ist die Funktion verfügbar, lassen sich auch einzelne Elemente des Kochfelds steuern und ihre aktuellen Temperaturen abfragen.
  • Dunstabzugshauben gewähren Zugriff auf ihre Lichteinstellungen und Gebläsestufen. Sie können mit Matter 1.3 auch Statusinformationen übermitteln, etwa zur Restlebensdauer eines integrierten Luftfilters.
  • Wäschetrockner sind – nach Waschmaschinen in Version 1.2 – nun ebenfalls ein Teil des Standards. Über Matter lassen sich Trockenprogramme und Temperaturen wählen. Das Gerät kann Benachrichtigung zum Programmende oder Alarme bei Fehlern verschicken, etwa wenn das Flusensieb verstopft ist. Sofern die lokalen Sicherheitsvorschriften es erlauben, ist auch ein Fernstart möglich.

Verbesserungen beim Licht mit Batch-Befehlen

Die Möglichkeiten zur Lichtsteuerung in Matter sind umfangreich. Es gibt sogenannte Cluster für an/aus, die Helligkeit oder die Lichtfarbe. Allerdings war das Protokoll bislang eher auf die Kontrolle einzelner Lampen ausgelegt. Was bedeutet, dass es keinen Befehl gab, der mehrere Lichter auf einmal steuern konnte. Die Kommandos wurden einzeln an die Lampen gesendet, was zu auffälligen „Popcorn Effekten“ führen kann: Beim Einschalten poppen die Lichter nacheinander auf, statt simultan ihren Betriebszustand zu ändern.

Haushalte mit vielen Lichtquellen, etwa an einer Philips Hue Bridge, kennen den Effekt: Während Lampen-Gruppen über die herstellereigene Hue-App prompt reagieren, produziert eine Steuerung über Matter-Systeme zum Teil deutliche Verzögerungen. Das dürfte mit Matter 1.3 besser werden: Die neue Version führt Command Batching ein, ein Verfahren, bei dem der Matter-Controller mehrere Befehle zusammenfasst (to batch = stapeln). Auch Signify, der Hersteller von Philips Hue, will die Funktion unterstützen: „Mit der kommenden SDK 1.3-Implementierung werden wir die Funktion des Command Batching einführen, die es einem Matter-Controller ermöglicht, mehrere Lichtbefehle in einer einzigen Matter-Nachricht zu senden. Unsere Bridge wird dies – wo möglich – in einen Groupcast auf Zigbee übersetzen und so den Netzwerkverkehr optimieren, was vor allem größeren Set-ups zugutekommt“, erklärt Rob Polman, Group Manager und Product Owner Hue Partnerships.

Matter kann nun auch Szenen speichern

Eine weitere Verbesserung soll die Einführung von Szenen bringen. Matter 1.3 unterstützt das Einrichten, Lesen und Aktivieren von Szenen auf Protokollebene. So können Nutzerinnen und Nutzer den gewünschten Betriebszustand ihrer Geräte speichern und mit einem Befehl abrufen. Im Beispiel Licht wären das etwa Helligkeit und Farbe, bei Rollläden der Öffnungszustand, im Falle von Thermostaten die Temperatur und so weiter. Matter-1.3-fähige Geräte sind außerdem in der Lage zu speichern, welchen Szenen sie angehören, was die Zahl der zur Ausführung nötigen Befehle weiter reduziert und die Reaktionsgeschwindigkeit verbessern soll.

Dazu müssen Matter-Controller die neue Funktion aber erst einmal unterstützen und Szenen, die sie mit ihren eigenen Apps erzeugen, herstellerübergreifend in Matter speichern. So etwas kann dauern, wie das Beispiel Matter-Bindings zeigt. Diese Direktverbindungen zwischen Matter-Produkten sind im Standard schon lange vorgesehen, um Installationen im laufenden Betrieb von einer Zentrale unabhängig zu machen. Ihre Umsetzung lässt aber immer noch auf sich warten. Aqara hat sie beim neuen Hub M3 zumindest vage angekündigt.

Push-Nachrichten mit Matter-Casting

Interessante Neuerungen erfährt das Matter-Casting, eine Funktion im Standard, die noch weitgehend unter dem Radar läuft. Aktuell nutzt nur Amazon das offene Protokoll, um Inhalte aus seiner Prime Video-App auf eigene Geräte wie den Echo Show 15 zu streamen. Weitere, wie die auf der CES 2024 angekündigten Panasonic-TVs mit Fire-TV-Betriebssystem sollen folgen. Mit Matter 1.3 erhält das Casting diverse Verbesserungen, etwa in der Suche. Unter anderem soll es möglich sein, gezielt nach Inhalten, Staffeln oder Episoden zu selektieren.

Die wesentliche Neuheit sind jedoch Benachrichtigungen. Version 1.3 führt Push-Nachrichten auf dem Fernseher ein. Mit Zustimmung des Benutzers können Matter-Geräte sich bei Casting-Clients melden und eine Information übermitteln. So gibt etwa die Waschmaschine Bescheid, wenn ihr Programm fertig ist. Oder Saugroboter, die sich unter dem Bett festgefahren haben, können elektronisch um Hilfe rufen.

Amazon Echo Show 15 an einer Wand.
Der Echo Show 15 ist Amazons erster Bildschirm für Matter Casting. Bild: Hersteller

Ein Feature, das mit Kameras noch wichtig wird. Sie befinden sich als Matter-Produktkategorie in Entwicklung, haben es aber nicht mehr in das aktuelle Release geschafft. „Wenn Cameras oder Video-Türklingeln einmal da sind, erfahren Sie so zum Beispiel, wer an Ihrer Haustüre geklingelt hat“, erklärt CSA-Mann Chris LaPré. „Sie könnten sogar eine Zwei-Wege-Kommunikation direkt auf dem Fernseher haben“, fährt er fort. Und wie beim Energiemanagement ist die Funktion nicht auf eine Produktkategorie beschränkt. Sie lässt sich in jeden Gerätetyp mit einem Bildschirm integrieren, also auch in Kühlschränke mit Display oder in Bedienterminals, die noch gar nicht erfunden sind.

Das Matter-Casting in Version 1.3 erlaubt Multi-Client-Benachrichtigungen, bei denen die Nachrichten an Smartphone-Apps im Haus gesendet werden – eine Funktion, die andere Matter-Ökosysteme wie Apple Home bislang über ihre eigene Plattform realisieren. Kamera-Streams auf dem Fernseher – die es mit HomeKit-Secure Video und Apple TV ja schon gibt – sind dort mit proprietärer Software gelöst. Deshalb wird es spannend, wie die Adaption von Matter-Casting weiter verläuft. Eigentlich gibt es in der Matter-Gemeinde unter den Herstellern ein Agreement, dass Anwendungen, für die es eine Lösung im Standard gibt, nicht auf proprietärem Weg gelöst werden sollen. Es bleibt also spannend.

Viel zu tun für die großen Matter-Plattformen

Die weiteren Neuerungen sind vor allem für Entwickler interessant. Sie verbessern die Inbetriebnahme, etwa von WLAN-Geräten, die mehrere Frequenzbänder unterstützen. Oder das sogenannten Beaconing, mit dem sich neue Geräte während des Set-ups über ein automatisch gesendetes Funksignal (Beacon) zu erkennen geben. Verschieden Cluster wurden überarbeitet, um den Code für Türschlösser, Thermostate, Stromquellen und andere Dinge zu optimieren.

Das alles zeigt: Die CSA und ihre Mitglieder in den Arbeitsgruppen halten das Tempo hoch, um Matter zu etablieren. Damit steigt aber auch die Gefahr, Konsumenden zu verwirren, denn die Umsetzung des Standards hinkt der Entwicklung erfahrungsgemäß deutlich hinterher. Die großen Matter-Plattformen von Amazon bis SmartThings decken noch nicht einmal alle Geräteklassen und Funktionen aus Matter 1.2 vollständig ab (siehe: „Die Baustellen im Matter-Standard“), geschweige denn, dass die damit angekündigten Produkte schon komplett auf dem Markt wären. Es bleibt also noch viel zu tun. Die gute Nachricht ist: Es geht voran.

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