Mit UGREEN bereitet ein neuer Smarthome-Anbieter seinen Markteintritt vor. Im Vorfeld der IFA in Berlin hat das Unternehmen seine Produktfamilie HomeAgent angekündigt. Sie besteht aus mehreren Steuerzentralen, die sowohl Geräte des Herstellers als auch Fremdprodukte einbinden sollen. Dazu unterstützt die Baureihe diverse Standards: Neben Zigbee und dem Streaming-Protokoll ONVIF (RTSP) nennt das Unternehmen auch Matter over Thread. Weitere Funkprotokolle wie Bluetooth und Z-Wave sollen perspektivisch möglich sein. Genaueres will der Hersteller im Herbst bekannt geben, wenn die Geräte im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne vorbestellt werden können.
Woher kommt Ugreen eigentlich?
Ugreen (link) ist eine chinesische Marke für Konsumelektronik. Sie gehört der 2012 gegründeten Ugreen Group in Shenzen. Von den Anfängern als einfacher Kabelhersteller hat sich das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Anbieter von Lade- und Connectivity-Lösungen sowie NAS-Systemen entwickelt. Netzwerk-Festplatten und Speichersysteme des Unternehmens erfreuen sich wachsender Beliebtheit, was auch am Preis-Leistungs-Verhältnis liegt. Ugreen holt hier Marktanteile in einem Segment, das von Branchengrößen wie Synology und Qnap dominiert wird. Smarthome-Produkte gehörten bislang allerdings nicht zum Portfolio.

HomeAgent: drei Zentralen mit lokaler KI
Die neue Baureihe stößt ins Smarthome-Segment vor. Sie kombiniert Speicherfunktionen mit einer Haussteuerung. Zum Start umfasst sie drei Modelle: HomeAgent HA100, HomeAgent HA100 Pro und MasterAgent MA100. Die kubische Form erinnert dabei an traditionelle NAS-Systeme, erweitert um ein Farbdisplay, das oben an der Gehäusekante sitzt. Alle drei Versionen sollen sich durch lokale Datenverarbeitung auszeichnen und bieten eine abgestufte Rechenleistung.
Das Topmodell – MasterAgent MA100 – wird dazu mit einer KI-Recheneinheit des Chip-Spezialisten Nvidia ausgestattet. Sein Prozessormodul (Jetson Thor T5000) stammt aus der Roboterentwicklung und kann leistungsfähige, generative KI-Modelle ausführen. Aber auch bei den Einstiegsvarianten HA100 und HA100 Pro sollen Dinge wie die Analyse von Kamerabildern vor Ort auf dem Hub stattfinden – ohne Verbindung zu einer Cloud.
Beim Sprachassistenten des Systems – Uliya genannt – können Anwender entscheiden, ob sie den (lokalen) Basisumfang nutzen oder auf erweiterte Funktionen eines Rechenzentrums zugreifen möchten. Der Chatbot, den es auch auf neuen Speichersystemen der Serie AI NAS von Ugreen gibt, basiert auf einem integrierten, umfangreichen Sprachmodell (LLM). Das Ziel: eine sprachgesteuerte Lösung zur Speicherung von Daten, Videoüberwachung und Hausautomatisierung in einem Gehäuse.
Um die HomeAgents herum baut Ugreen ein eigenes Smarthome-Ökosystem auf: Zum Start sind Innen- und Außenkameras geplant, ein Smart Speaker für die Sprachsteuerung von anderen Räumen aus sowie ein digitaler Bilderrahmen mit farbigem E-Paper-Display. Als Verkaufsargument dienen Funktionen wie die lokale Videoanalyse per KI. Dank kameraübergreifendem Tracking sollen sich etwa fremde Personen auf dem Grundstück verfolgen lassen: Das System setzt deren Bewegungen aus mehreren Aufnahmen in einer durchgängigen Zeitleiste zusammen.
Matter-Controller und Thread an Bord
Für Anhänger des Matter-Standards interessant: Die Zentralen sollen als Matter Controller dienen und über einen integrierten Thread Border Router verfügen. Bei der Integration von Geräten vertraut Ugreen aber nicht nur auf Standards und technische Daten: Es gibt eine Kompatibilitätsliste mit Produkten, die der Hersteller selbst getestet hat. Sie enthält neben Festplatten, die sich als Video- und Datenspeicher eignen, auch Smarthome-Produkte von Anbietern wie Aqara, Eve Systems, Govee oder Switchbot.
Eine Art App-Store – SkillHub genannt – soll den Funktionsumfang der Systeme erweitern. Außerdem können Programmierer auf der hauseigenen Entwicklerplattform von Ugreen eigene Erweiterungen schreiben. Damit positioniert Ugreen die HomeAgent-Familie als potenzielle Alternative zu etablierten Ökosystemen wie Homey, SmartThings oder Home Assistant.
Ob die Initiative von Erfolg gekrönt ist, werden die kommenden Monate zeigen. Eine Kickstarter-Kampagne zur Vorfinanzierung der ersten Modelle soll im Oktober starten und bis Ende des Jahres laufen. Wie bei anderen speicherintensiven Produkten dürften die permanent steigenden Chip-Preise eine Herausforderung für die Kalkulation darstellen. Allein im ersten Quartal 2026 wuchsen die Kosten für Arbeitsspeicher (DRAM) um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorquartal (link). Großabnehmer von Nvidias T5000-Modul müssen heute rund 67 Prozent mehr für den KI-Chip bezahlen als bei seiner Markteinführung vor einem Jahr.
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