Symcon Symbox Pro

Symcon: neuer Matter-Controller aus Deutschland

Wer Matter-Geräte in Betrieb nimmt, nutzt dafür einen Matter-Controller. Oft handelt es sich um ein Produkt von Amazon, Apple, Google oder SmartThings. Aber auch Ikea, 1Home, Busch-Jaeger oder Athom mit dem Homey Pro haben Lösungen im Angebot. Und jetzt kommt Symcon (link) hinzu: Das deutsche Unternehmen veröffentlicht in Kürze Symcon 9.0, die jüngste Generation seiner Steuerungs- und Automatisierungssoftware.

Das Programm enthält – neben anderen Neuerungen – einen Matter-Controller. Zunächst läuft dieser noch im Beta-Betrieb, doch Geschäftsführer Michael Marsoszek ist überzeugt: „Matter löst ein Problem, das sich in den vergangenen 20 Jahren, in denen Symcon am Markt ist, gebildet hat. Es gibt zu viele Hersteller mit eigenen Protokollen, deren Produkte untereinander nicht kompatibel sind.“

Endlich, so Maroszek, existiere ein Standard, der genügend Bekanntheit besitzt und von vielen großen Herstellern unterstützt wird. Dass dieser obendrein auf lokale Kommunikation setzt, schätzt er besonders: „Wie oft beendet ein Unternehmen einen Geschäftszweig und hinterlässt dann nach der Cloud-Abschaltung nur noch Elektroschrott beim Kunden? Hier punktet Matter ganz klar.“

Die Visualisierung von Symcon bringt Matter-Produkte mit anderen auf einer Bedienoberfläche zusammen. Bild: Hersteller

Wer oder was ist Symcon?

Die Symcon GmbH ist ein deutsches Software- und Automatisierungsunternehmen mit Sitz in Lübeck. Es hat sich bei professionellen Systemintegratoren und Elektrikern einen Namen gemacht, da die Produkte im Hinblick auf Support, Produktpflege und -haftung mehr Sicherheit bieten als gängige Open-Source-Lösungen. Ein Verzeichnis auf der Firmenwebsite nennt Integratoren, die mit Symcon arbeiten (link). Interessierte Endanwender können die Systemkomponenten aber auch direkt beim Hersteller im Online-Shop ordern und zu Hause selbst einrichten.

Kernprodukt ist die gleichnamige Software zur Gebäudeautomatisierung, erhältlich in Deutsch und Englisch. Sie verbindet Systeme und Standards, die normalerweise nicht miteinander sprechen. So lassen sich etwa eine KNX-Installation (kabelgebunden) mit Philips Hue (Funk/Zigbee), Sonos (Audio) und ModBus-Wärmepumpe unter einer gemeinsamen Oberfläche vereinen. Das Programm läuft auf Desktop-Betriebssystemen wie Windows, MacOS und Ubuntu (Linux) sowie auf Raspberry Pi, als Docker-Container und auf NAS-Systemen von QNAP und Synology. Alternativ bietet das Unternehmen die SymBox Pro an, einen Hutschienen-PC mit vorinstallierter Software.

Die SymBox Pro automatisiert ein Smarthome mit verschiedenen Standards von der Hutschiene aus. Bild: Symcon

Zum Betrieb des Programms ist normalerweise eine kostenpflichtige Lizenz nötig. Ihr Kaufpreis hängt vom Umfang der Installation ab und enthält eine zwölfmonatige Subskription mit Software-Updates und Online-Diensten. Nach Ablauf des Jahres kann das Abo für einen geringen Jahresbetrag verlängert werden. Mit dem Release von Symcon 9.0 bietet das Unternehmen aber erstmals auch eine kostenlose Community-Edition an. „Sie enthält alle Offline-Funktionen von Symcon, darf aber nicht kommerziell genutzt werden“, erklärt Michael Maroszek.

Statt Hersteller-Support gibt es die Symcon-Community (link) und die Installationsgröße ist auf 500 Datenpunkte begrenzt. „Matter-Geräte haben im Normalfall mehrere Variablen – für An/Aus, die Farbtemperatur oder auch die Batterielaufzeit. Wenn wir von zehn Variablen pro Gerät ausgehen – was eher hoch angesetzt ist – können an der Community Edition also mindestens 50 Matter-Produkte eingerichtet werden.“ Der Download lässt sich über einen Link auf der Website anfordern (link).

Die Matter-Funktionen von Symcon 9.0

Als Controller verfügt Symcon 9.0 über die gewohnten Funktionen zum Einrichten neuer Geräte. Die App des Herstellers scannt dabei den eindeutigen QR-Code des Matter-Produkts. Alternativ lassen sich bereits in einem anderen Ökosystem installierte Geräte dort freigeben und per Multi-Admin-Funktion in Symcom integrieren.

Zur Entwicklung nutzen die Lübecker das SDK von Matter 1.5, haben vorerst aber nur die wichtigsten Gerätetypen aus Matter 1.4 umgesetzt. Darunter: Lichter, Aktoren, Sensoren, Thermostate, Fensterbedeckungen und Türschlösser. Auch Saugroboter, Luftreiniger, Klimageräte und Batteriespeicher sind bereits an Bord.

Haushaltsgroßgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen oder Wärmepumpen und Wallboxen fehlen noch – entweder, weil es keine entsprechenden Produkte am Markt gibt, oder weil diese kostspielig sind. Denn Symcon verfolgt die Strategie, von jedem Typ mindestens ein Exemplar anzuschaffen und selbst in der Praxis zu erproben. Der Geschäftsführer verrät: „Wir verfügen mittlerweile über diverse Hubs, Bridges, und sehr viele Geräte, die Matter over Thread wie auch Matter over Wi-Fi unterstützen. Die Kollegen nennen diese Sammlung liebevoll ihren Hardwareturm zum Testen.“

Die Konfigurationsoberfläche von Symcon 9.0 mit verschiedenen Matter-Produkten. Bild: Hersteller

Fernbedienungen sind für das nächste Release geplant, außerdem soll die Darstellung einiger Gerätetypen in der Visualisierung des Systems noch optimiert werden. Zudem hofft Symcon auf eine baldige übergreifende Lösung zum Thread Credential Sharing, wie sie seit Matter 1.4 im Standard vorgesehen ist. Das würde den Einsatz von Thread-Produkten vereinfachen, weil Symcon auf installierte Border Router im Netzwerk zugreift. „Insbesondere bei Android sind wir darauf angewiesen, dass die App des Border-Router-Herstellers diese Thread-Credentials sauber im Smartphone-Betriebssystem hinterlegt und wir sie dann nutzen können“, erklärt Marsoszek.

Plattformen wie Amazon, Apple, Google oder Ikea haben dieses Problem nicht, da sie eigene Hubs mit einem integrierten Thread-Border-Router nutzen. Bei rein softwarebasierten Controllern wie dem von Symcon ist das nicht möglich. Und die SymBox Pro wäre auch kein optimaler Ort dafür: Montiert auf der Hutschiene im Verteilerkasten aus Metall, ist sie funktechnisch eher ungünstig platziert.

Beta-Status – auch wegen Thread

Ganz allgemein würde sich der Symcon-Chef bei Thread-Verbindungsproblemen mehr Transparenz wünschen: „Solche Fehler können aktuell sehr schwer beim Kunden isoliert werden. Es stellt sich immer die Frage: Liegt es am Matter-SDK oder an unserer Integration? Fehlt gerade die Route zum Thread-Border-Router? Ist IPv6 falsch konfiguriert? Wie sieht es mit mDNS aus? Oder hat das Endgerät eine Fehlfunktion und bräuchte ein Firmware-Update?“ Es sei also „noch Luft nach oben, ehe Integratoren sich zutrauen können, Matter großflächig einzusetzen.“

Darum soll das Label „Beta“ auch erst verschwinden, wenn diese Kinderkrankheiten ausgeräumt sind und Symcon seinen Matter-Controller für komplett stabil hält. Michael Maroszek sieht gute Chancen: „Wir gehen davon aus, dass die Border-Router-Funktionalität langfristig in WLAN-Access-Points mit einzieht und Thread als Backbone für Matter (oder andere Systeme) in jedem Haus als Infrastruktur verfügbar sein wird.“

Für das Unternehmen ist der Controller eine logische Fortsetzung der Firmenphilosophie. Schon bislang unterstützten SymBox & Co. eine Vielzahl an Herstellern und professionellen Gateways oder Schnittstellen – von 1-Wire über BACnet, digitalSTROM, EnOcean, LCN und KNX bis ModBus. Mit Matter werden die Automatisierungs- und Steuerungsmöglichkeiten nun noch umfangreicher.

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