Nuki Keypad 2.0 NFC mit Smartphone

Nuki startet Verkauf seines Aliro-Keypads mit NFC

Der Smart-Lock-Spezialist Nuki (link) setzt konsequent auf Matter. 2023 kamen die ersten kompatiblen Schlossantriebe auf den Markt – ein Jahr nach dem offiziellen Start des Smarthome-Standards. Jetzt sind die Österreicher noch schneller: Nur ein Monat verging, seit die Connectivity Standards Alliance (CSA) die Spezifikationen zum digitalen Haustürschlüssel Aliro veröffentlichte, und Nuki bringt bereits das passende Produkt in den Handel.

Seit heute ist das Keypad 2 NFC (link) erhältlich, ein Zubehör, das Smart Locks des Herstellers Aliro-fähig macht. Laut Ankündigung handelt es sich um „das weltweit erste Aliro-zertifizierte Keypad für elektronische Türschlösser im privaten Wohnbereich“. Die Definition ist wichtig, weil der Schlüssel-Standard nicht nur für Privatwohnungen entwickelt wurde. Wenn es nach seinen Erfindern geht, soll er auch in kommerziellen Gebäuden wie Büros und Hotels zum Einsatz kommen. Für diesen Zweck hat Last Lock aus den USA (link) bereits einen smarten Schließzylinder zertifizieren lassen.

Nuki Keypad 2 NFC mit Tap to Unlock

Die schmale, schwarze Nuki-Tastatur wird per Funk an ein Smart-Lock des Herstellers gekoppelt. Das ging mit dem bisherigen Keypad 2 auch schon, um drahtlos via Fingerabdruck oder PIN-Code das Schloss zu öffnen. Das Keypad 2 NFC fügt allerdings eine weitere Methode hinzu: Aufschließen durch Antippen. „Tap to Unlock“ nennt Nuki dieses Verfahren, das vom Aliro-Protokoll standardisiert wird. Mehr dazu im Beitrag „Was ist der Aliro-Standard?“

Ein Funksymbol auf der Front unterscheidet das Keypad 2 NFC vom weiterhin erhältlichen Keypad 2. Bild: digitalzimmer

Ein integrierter Funkchip für Near Field Communication (NFC) reagiert auf Annäherung, ähnlich wie beim digitalen Bezahlen im Einzelhandel, wenn das Smartphone oder die Smartwatch eine Transaktion autorisieren. Bedeutet: Antippen des Keypads mit der Uhr oder dem Telefon genügt und die Tür geht auf. Dass der Hersteller die Aliro-Technik in ein Zubehörteil packt, hat Vorteile. So lassen sich mehrere Produkte damit nachrüsten: „Das Keypad 2 NFC funktioniert mit allen Smart-Locks unserer vierten und fünften Generation“, verspricht Martin Pansy, Geschäftsführer und Mitgründer von Nuki.

Auf eine Integration des richtungsabhängigen Kurzstreckenfunks Ultra-Wideband (UWB) habe man in diesem Fall verzichtet. Auch weil der Energieverbrauch von UWB-Chips relativ hoch sei und die kompakten Nuki-Produkte nur begrenzt Platz für ausladende Batterien bieten würden, so Pansy zu matter-smarthome.de. Der Aliro-Standard sieht sowohl NFC als auch UWB als Funktechnik vor. Aqara setzt in seinem entsprechend vorbereiteten Smart-Lock U400 auf beides. Allerdings handelt es sich dabei um ein Modell für amerikanische Deadbolt-Schlösser ohne externes Keypad. Die UWB-Leseeinheit hat somit direkten Anschluss an den Lithium-Ionen-Akku im Gerät.

Mit welchen Plattformen funktioniert die Lösung?

Apple, Google und Samsung haben angekündigt, Aliro mit ihren digitalen Geldbörsen („Wallets“) auf NFC-fähigen Smartphones zu unterstützen. Beim iPhone – und mithin auf der Apple Watch – ist das bereits der Fall, wie ein erster Test des neuen Keypads auf digitalzimmer.de zeigt (link). Die Lösung funktioniert nach diesen Erfahrungen problemlos. Samsung hat den Digital Home Key in seiner Wallet ebenfalls freigeschaltet. Nur Google lässt aktuell noch auf sich warten. Womöglich bis zur Entwicklerkonferenz Google I/O, die im Mai 2026 stattfindet.

Zum Start funktioniert das Aufschließen mit SmartThings, Apple Home – und ganz allein mit der Nuki-App. Bild: Nuki

Wer zu Hause kein Smarthome-System nutzt, das den Matter-Standard unterstützt, kann das Keypad auch allein mit der Nuki-App verwenden. Der digitale Haustürschlüssel wird dann in der Hersteller-App gespeichert. Ein sogenannter App-Mode macht’s möglich. Die umfassende Integration ins Gebäude setzt allerdings Matter voraus – weil die Plattformen ihre Zutrittsberechtigungen auf einem Hub mit Matter Controller speichern. Bei Apple kann das der HomePod (mini) oder ein Apple TV sein. Bei Samsung kommen der SmartThings-Hub von Aeotec oder Samsung-Geräte mit einer integrierten SmartThings-Zentrale infrage, etwa ein Smart-TV der Marke.

Google wird seine bekannten Kandidaten wie den Nest Hub (2. Generation), Nest Audio und Google TV Streamer ins Spiel bringen, wenn die Aliro-Zeit bei Google Home beginnt. Was Amazon tut, ist bislang noch unklar. Zumal die Alexa-Erfinder seit dem Flop ihres Fire Phone anno 2014 über kein eigenes Telefon im Sortiment mehr verfügen. Ihnen fehlt quasi das Transportmittel für digitale Haustürschlüssel im Aliro-Standard. Das könnte sich ändern, wenn eine aktuelle Meldung der Nachrichtenagentur Reuters Recht behält (link). Demnach plant Amazon ein neues Smartphone-Modell, das sich exklusiv mit Alexa und anderen Diensten des Anbieters synchronisieren soll.

Wichtig: Das Smartphone mit seinem digitalen Schlüssel wird Teil des Matter-Ökosystems und kommuniziert auch nur in diesem. Ein Galaxy-Phone mit Samsung-Wallet kann kein Türschloss öffnen, das via Matter in Apple Home registriert ist – und umgekehrt. Es bleibt ausgesperrt, weil alle Zutrittsberechtigungen im jeweiligen System-Hub gespeichert sind, auf den ein fremdes Gerät keinen Zugriff hat. Das sollten Haushalte bedenken, in denen die Familienmitglieder unterschiedliche Mobiltelefone und Smartphone-Betriebssysteme nutzen.

Messefoto: Nuki
Damit ein Smartphone mit Samsung Wallet die Tür öffnen kann, muss das Smart Lock in SmartThings integriert sein. Bild: Nuki

Erbt Aliro die Geburtsfehler von Matter?

Was jetzt schon absehbar scheint: Aliro macht die Kaufentscheidung nicht unbedingt einfacher, zumindest nicht zum Start. Wie schon bei Matter garantiert ein zertifiziertes Produkt allein keine reibungslose Integration. Auch die Smarthome-Ökosysteme müssen mitspielen und Aliro-Spezifikationen unterstützen. Das macht die etablierten „Works with…“-Programme der Plattformen wichtiger denn je. Denn letztlich bürgt nur das Logo von Apple Home, Google Home, SmartThings & Co. auf der Verpackung für Kompatibilität. Heißt für Gerätehersteller: Sie müssen zusätzlich zur Aliro– und Matter-Zertifizierung auch die Programme der Plattformen durchlaufen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es womöglich keinen Multi-Admin-Betrieb für Aliro-Schlösser gibt: Das Nuki Keypad 2 NFC und sein verbundenes Smart Lock können immer nur an eine Smarthome-Plattform gekoppelt werden – nicht an mehrere Systeme gleichzeitig, wie es sonst der Matter-Standard vorsieht. Die CSA hat eine Anfrage dazu noch nicht beantwortet. Nuki verweist auf den jungen Aliro-Standard und darauf, dass dessen Zusammenspiel mit Matter sich weiter verbessern wird. Oder wie Martin Pansy es ausdrückt: „Wir wissen, dass wir als Hersteller für solche Kinderkrankheiten des Standards unter Umständen abgestraft werden. Aber das ist der Preis, den man bezahlen muss, wenn man der Erste sein will.“

Update vom 24. März 2026: Nach neuesten Informationen von Nuki ist ein Parallelbetrieb unter bestimmten Umständen doch möglich. Und zwar dann, wenn das Smart Lock zuerst mit Apple Home gekoppelt und SmartThings anschließend hinzugefügt wird. „Wir arbeiten kontinuierlich mit den Wallet-Anbietern zusammen, um die Interoperabilität zwischen ihren Systemen zu verbessern, können jedoch keine konkreten Zeitpläne für zukünftige Änderungen oder Verbesserungen nennen“, heißt es aus dem Unternehmen.

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