Deutschland-Start: Alexa+ automatisiert die Automatisierung

Mit der Rede vom „Paradigmenwechsel“ muss man vorsichtig sein. Der Begriff ist überstrapaziert. Alexa Plus (link) könnte aber wirklich einen Wandel in der Gebäudeautomatisierung einleiten. Die neue, KI‑gestützte Sprachintelligenz von Amazon verändert, wie Menschen mit dem Smarthome interagieren. Wie sie ihre Geräte steuern und mehr noch: wie sie diese automatisieren.

David Kaiser von Amazon steht vor einer Gruppe Journalisten in Berlin. Das Unternehmen hat Kollegen und mich zum Start-Event von Alexa+ in die Hauptstadt eingeladen. Kaiser ist Geschäftsführer des Amazon Development Centers in Deutschland und als solcher für ein Team von rund 1000 Ingenieuren, Produktmanagern und Technikern verantwortlich.

David Kaiser von Amazon präsentiert die Automatisierungstalente von Alexa+ in Berlin. Bild: matter-smarthome

Smarthome-Routinen per Sprache anlegen

Auf der Bühne erzählt Kaiser von der Abendroutine seiner Kinder. Er bittet Alexa+ auf einem Echo Show, das Lieblingshörbuch der Kids abzuspielen und die Lichtstimmung entsprechend anzupassen. Die Wiedergabe startet, alle Lampen im Demo-Raum dimmen herunter und nehmen eine mystische, blassblaue Farbe an. Soweit nichts Aufregendes. Doch dann bittet er die Sprachassistenz in normalem Plauderton, eine Weckroutine anzulegen: Zur gewünschten Uhrzeit sollen „alle Lampen im Raum mit 100 Prozent Helligkeit angehen, die Kaffeemaschine und der Lüfter eingeschaltet werden“.

Nach kurzer Bedenkzeit meldet Alexa+ auf dem Echo Show den Vollzug und bietet die Routine zum Test an. Der Probelauf zeigt, dass alles wie gewünscht funktioniert, allerdings bleiben die Lampen im zuvor gewählten Blauton. „Ich hätte gezielt um weißes Licht bitten können“, erklärt David Kaiser im Gespräch. Die Routine sei aber auch nachträglich jederzeit änderbar – per Sprache oder in der runderneuerten Alexa-App, wo die Automationen wie gewohnt landen. Wesentlicher Unterschied zu bisher: Es sind keine Handgriffe nötig, keine Wenn-dann-Regeln und kein Suchen in der App. Das ist Hausautomatisierung für Menschen, die den Begriff noch nie gehört haben.

Über den Internet-Browser wird Alexa+ künftig auch per Computer erreichbar sein. Bild: Amazon

Natürliche Spracherkennung mit Gedächtnis

Hinzu kommt: Alexa+ benötigt keine festen Formulierungen mehr, um einen Befehl zu verstehen. Als konversationelle KI erfasst sie den Kontext des Gesprächs, kann auf zuvor Gesagtes zurückgreifen und Geräte im Smarthome identifizieren, auch wenn diese nicht bei ihrem exakten Namen genannt werden. Ein Feature, an dem alle großen Matter-Plattformen mit einem Sprachassistenten arbeiten. Doch die anderen sind noch nicht so weit wie Amazon. Bei Google stockt der internationale Roll-out von „Gemini for Home“ (link). Das intelligentere Bixby von Samsung steht aktuell nur auf Galaxy-Geräten zur Verfügung (link). Und Apple musste den Start von Siri 2.0 mehrmals verschieben.

In den USA wurde Alexa+ im Februar 2026 veröffentlicht, nach einem fast einjährigen Early-Access-Programm. In Deutschland startet der Early Access am heutigen 7. Mai und Amazon ist zuversichtlich, diesmal schneller in den Regelbetrieb übergehen zu können – weil man aus den US-Erfahrungen lernen konnte. Praktisch heißt das: Wer ab sofort ein neues Echo-Gerät wie den Echo Show 8, Echo Show 11, Echo Dot Max oder Echo Studio kauft, hat Alexa+ automatisch an Bord.

Alexa+ soll natürliche Sprache erkennen und benötigt keine eintrainierten Formulierungen mehr. Bild: matter-smarthome

Künftig in Amazon Prime enthalten

Besitzerinnen und Besitzer eines älteren, kompatiblen Gerätes können sich online registrieren (link), um eine Einladung zu bekommen. Nach dem offiziellen Start wird Alexa Plus eine monatliche Gebühr von 22,99 Euro kosten. Im Abo für Amazon Prime ist der Sprachdienst automatisch enthalten – für den bisherigen Betrag von 8,99 € pro Monat oder 89,90 € pro Jahr in Deutschland. Eine Erhöhung des Prime-Tarifs sei hierzulande nicht geplant, haben mir Amazon-Mitarbeiter versichert.

Die Experience von Alexa+, wie es neudeutsch heißt, soll geräteübergreifend und lückenlos sein. Konversationen, die auf einem Amazon-Gerät wie dem Fire-TV begonnen werden, können auf einem anderen fortgesetzt werden, ohne dass Kontext verloren geht oder der Gesprächsfaden abreißt. Verschiedene Amazon-Mitarbeiter demonstrierten das eindrucksvoll in Berlin. Mit einer Alexa, die sich Speiseplan-Vorlieben von Familienmitgliedern merkt und auf Basis vorhandener Zutaten Rezepte vorschlägt. Die nicht nur weiß, wann die Kinder Geburtstag haben, sondern auch ihre Geschenkewünsche kennt und beim Lieblingsitaliener einen Tisch via OpenTable reserviert.

Die jüngste Generation von Echos und Fire-TVs wird ab sofort mit Alexa+ ausgeliefert. Bild: Amazon

Einen Film für den Heimkinoabend durch bloße Beschreibung des Plakats identifizieren? Den Echo Show mit integrierter Kamera um Styling-Tipps zum getragenen Outfit bitten? Oder fragen, wo im Haus die Ring-Kamera den gelben Fußball zuletzt gesehen hat? Mit Alexa+ wird vieles möglich, was Kunden der Ur-Alexa vor zehn Jahren sich kaum vorstellen konnten – in natürlicher Sprache und mit dem Plauderton, zu dem AI‑Chatbots mittlerweile fähig sind.

Laut Amazon gibt es verschiedene „Persönlichkeiten“, mit denen sich das Kommunikationsverhalten an die persönlichen Vorlieben anpassen lässt. Man habe dabei die Gepflogenheiten der Deutschen berücksichtigt, die eine weniger überschwängliche Kommunikation bevorzugen als das US-Publikum und eher knappe Antworten erwarten, heißt es von Amazon. Wie viel Privatsphäre die Nutzer in ihren Gesprächen preisgeben mögen, dürfte sich ebenfalls unterscheiden. Denn Datenschutz hat hierzulande einen besonderen Stellenwert, die Macht großer US-Konzerne wird zunehmend kritisch gesehen, und natürlich sitzt die geballte Intelligenz von Alexa+ in der Cloud.

Alexa+ beherrscht Dutzende Sprachmodelle

Ohne Hilfe der Amazon-Server wäre so viel Assistenz undenkbar. Bei Alexa+ handelt es sich um kein isoliertes Large Language Model (LLM), das bei entsprechender Rechenleistung direkt auf dem Gerät laufen könnte. Amazon nutzt Dutzende solcher Sprachmodelle parallel, um für die konkrete Aufgabe das jeweils passende LLM auszuwählen. Offiziell wurden nur Claude von Anthropic und Mistral AI im Zusammenhang mit Alexa+ kommuniziert. Doch die zugrunde liegende Bedrock-Plattform (link) von Amazon Web Services (AWS) bietet theoretisch Zugriff auf viele weitere – vom hauseigenen Nova-Modell über ChatGPT und Deep Seek bis hin zu Lama von Meta (Facebook).

In der Hausautomatisierung ist es wünschenswert, dass Befehle lokal ausgeführt werden. Geräte reagieren schneller und zuverlässiger, wenn sie direkt angebunden sind. Der Matter-Standard schreibt solche lokale Verbindungen prinzipell vor, etwa per WLAN oder Thread. Entsprechend ausgestattete Echo-Modelle dienen als Steuerzentrale (Matter Controller) und binden Geräte an. Im Idealfall hilft das Sprachmodell also dabei, die Regeln anzulegen, überlässt ihre Ausführung im Alltag aber dem Hub vor Ort – damit die Morgenroutine auch dann pünktlich startet, wenn das Internet mal ausfallen sollte. Ob das bei Alexa+ der Fall ist, wird die Praxis zeigen.

Ebenfalls in Berlin zu sehen: der neue BMW iX3 mit Alexa+ an Bord. Bild: matter-smarthome

Auch im Auto: Amazon kooperiert mit BMW

Für Amazon ist die neue Alexa ein Weg, das eigene Ökosystem zu stärken. Die Plus-Version wird nur auf jüngeren Smart-Speakern, Smart-Displays und TV-Geräten des Unternehmens verfügbar sein. Außerdem in der Alexa-App und demnächst via Browser am Computer. Altgeräte wie Echos und Echo Dots der ersten oder zweiten Generation sowie Alexa-enabled Speaker – etwa von Sonos – behalten die bisherige Technologie. Sie können weiterhin per Sprache bedient werden, aber ohne die Intelligenz und kommunikativen Fähigkeiten von Alexa+.

Kooperationen mit anderen Unternehmen wird es aber weiterhin geben. Eine davon hat Amazon in Berlin präsentiert: BMW integriert die deutsche Sprachversion als Dialogsystem in seine Autos. Nach dem Start in den USA wird auch hierzulande der neue BMW iX3 mit Alexa+ ausgestattet. Fabrikneue Modelle liefert der Hersteller ab sofort damit aus. Bereits produzierte Fahrzeuge erhalten die Funktion im Juni 2026 als Software-Update. In der zweiten Jahreshälfte sollen weitere BMW‑Modelle folgen. Da bekommt der Begriff „Auto-matisierung“ noch mal eine ganz andere Bedeutung.

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