Smarte Leuchtmittel haben einen Vorteil: Über standardisierte Lampenfassungen wie E27, E14 oder GU10 lassen sie sich einfach nachrüsten. Das Licht wird fernbedienbar und bei Bedarf auch Teil einer zentralen Gebäudesteuerung. Ganz besonders, wenn das Produkt den Matter-Standard unterstützt. Denn solche Lampen spielen mit verschiedenen Ökosystemen zusammen. Sie eignen sich für Amazon Alexa oder Apple Home ebenso wie für Open-Source-Plattformen à la Home Assistant.
Doch nun kündigt sich ein Trend an, der das Beleuchtungsangebot nachhaltig verändern könnte: Matter-Funktechnik wird ein fester Teil der Konstruktion. Anbieter wie Ikea, Ledvance und Signify mit Philips Hue bringen dekorative Leuchten auf den Markt, die ab Werk mit Matter-Ökosystemen vernetzbar sind – ohne Bridge oder andere proprietäre Technologie des Herstellers.

Matter-fähige Leuchten: von der Nische in die Breite
Erste Anzeichen gab es schon 2023, als das kanadische Design-Label Umbra mit Nanoleaf kooperierte, um zwei Matter-fähige Tischleuchten zu entwickeln. Die Modelle Umbra Cono und Umbra Cup sind im Internet vereinzelt noch erhältlich, wurden aber schnell wieder aus dem Programm genommen. Nun rollt jedoch eine Welle neuer Produkte an, die das damalige Konzept wieder aufgreift.
- Ikea präsentierte auf der CES 2026 zwei Modelle der Varmblixt-Serie: eine smarte Version der ringförmigen Donut-Leuchte und die vernetzte Ausführung der schlauchförmigen Vamblixt-Hängeleuchte, ebenfalls von Designerin Sabine Marcelis. Beide haben Matter over Thread integriert und sollen im April 2026 auf den Markt kommen.
- Ledvance präsentiert unter dem Markennamen Osram ein breites Sortiment an Wand- und Deckenleuchten, die Matter ebenfalls integrieren. Vom Hochvolt-Schienensystem mit drehbaren Spots bis zur spritzwassergeschützten Spiegelleuchte fürs Badezimmer reicht das Programm. Ein Teil der Produkte mit Matter over Wi-Fi ist bereits erhältlich.
- Signify bereitet mit Philips Hue offenbar einen ähnlichen Schritt vor: Auf Amazon tauchte kurzzeitig eine Matter-fähige Version der Tischleuchte Flourish auf. Das deutsche Hueblog berichtete als Erstes darüber, der Beitrag ist weiterhin abrufbar (link). Ein Matter-Logo auf der abgebildeten Verpackung legt die direkte Integrationsmöglichkeit ohne Hue-Bridge nahe – auch wenn der Hersteller seine Matter-over-Thread-Verbindung offenbar über ein smartes Leuchtmittel realisiert.

Integrierte Funktechnik oder Matter-fähiges Leuchtmittel
Der Matter-Standard legt fest, wie Geräte im Smarthome miteinander kommunizieren und in Plattformen eingebunden werden. Wie das einzelne Produkt diese Verbindung herstellt, bleibt dem Anbieter überlassen. Das erlaubt sowohl klassische Nachrüstung per Funklampe als auch neue Ansätze mit integrierter Matter-Technologie.
Ein Verzicht auf austauschbare Leuchtmittel bietet den Designern mehr Möglichkeiten. Da moderne LEDs eine Lebensdauer von einigen Zehntausend Stunden haben, ist ein Lampenwechsel häufig gar nicht notwendig. Die flexible Positionierung einzelner LEDs erlaubt neue Bauformen: lineare Lichtquellen, Ringe, flächige Elemente oder schlauchförmige Leuchten mit homogener Lichtverteilung. In solchen Designs existiert kein Ort für Leuchtmittel – und damit auch keine Möglichkeit, Matter nachzurüsten. Die Funk- und Steuertechnik muss von Anfang ein an Teil der Leuchte sein.

Eine Alternative zu Herstellersystemen
Die Anbieter von Leuchten mit integrierten LEDs setzen bislang vor allem auf eigene Technik – von der Funkfernbedienung bis hin zu geschlossenen App-Ökosystemen. Dieser Ansatz funktioniert zuverlässig, weil er den Herstellern volle Kontrolle gibt. Er bedeutet aber auch viel Aufwand für die Systempflege und zwingt Kunden häufig in das Sortiment des Anbieters. Mit Matter steht nun eine standardisierte Alternative zur Verfügung. Vorkonfektionierte Chipsätze und ein reduzierter Wartungsaufwand erleichtern Anbietern den Marktzugang. Und sie bringen vernetzbare Leuchten in neue, attraktive Preisregionen, wie das Beispiel Ikea zeigt.
Etablierte Leuchtenhersteller mit einer proprietären Funklösung kann das unter Druck setzen. Wenn die Smarthome-Integration kein Premium-Feature mehr ist, wird es schwerer, einen Aufpreis dafür zu verlangen. Und wenn eine wachsende Zahl von Leuchten den Matter-Standard unterstützt, wächst die Erwartung an Modelle, die das noch nicht tun.
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