Digitaler Schlüsseldienst: Aliro-Standard veröffentlicht

Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat ihren neuen Standard Aliro veröffentlicht. Version 1.0 (link) ist das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung: Seit 2021 arbeiten Unternehmen aus der Chip-Industrie, der Schließ- und Sicherheitstechnik mit Smartphone-Anbietern zusammen. Gemeinsames Ziel: eine universelle Lösung für digitale Schlüssel zu entwickeln. Aliro soll das Durcheinander an proprietären Schließsystemen beenden, die nur mit bestimmten Telefonen, Smartwatches und Smart Locks funktionieren (siehe auch: „Was ist der Aliro-Standard“).

Apple HomeKey als digitaler Schlüssel ist eine der Lösungen, die Aliro als Vorbild dienten. Bild: Level

Der Ansatz mit mehr als 200 beteiligten Unternehmen erinnert an Matter, weshalb das Projekt auch in derselben Organisation aufgehängt ist. „Wir standardisieren, wie ein Nutzergerät als digitaler Schlüssel für ein Lesegerät fungiert“, erklärt Nelson Henry, Vorsitzender der Aliro-Arbeitsgruppe innerhalb der CSA. „Als Nutzergeräte kommen alle möglichen Smart Devices infrage: Smartphones, Uhren und so weiter.“ Das Lesegerät als Gegenstück kann ein Türschloss sein, „aber auch jede andere Lösung, die entriegelt oder Zugang gewährt“, so Henry. Der Standard sei hier bewusst agnostisch, was die Ausprägung angeht. „Aliro konzentriert sich darauf, wie die Interaktion funktioniert, auf das Protokoll und die Standardisierung der ausgetauschten Nutzerdaten.“

Digitaler Türöffner für Wohnungen, Büros und Hotels

Entsprechend breit erscheint das Anwendungsgebiet. Die Technologie soll in Privathäusern ebenso zum Einsatz kommen, wie in Büros, Hotels und anderen kommerziellen Gebäuden. Darum legten die Entwickler besonderen Wert auf Sicherheit. „Aliro basiert auf denselben Grundlagen, die man in FIPS-Standards findet – oder die zur Sicherung hochsensibler Internetdaten verwendet werden: AES-256 für symmetrische Kryptografie und P-256 (ECC) für asymmetrische Kryptografie“, erklärt Henry.

Eine Herausforderung dürften die langen Investitionszyklen im professionellen Bereich darstellen. Hier werden Entscheidungen über große Zeiträume gefällt, weshalb die Aliro-Spezifikationen von Anfang an gründlich durchdacht und umfassend sein müssen. In diesem Punkt unterscheidet sich Aliro auch vom Matter-Standard, dessen Funktionsumfang mit beinahe jeder Neuauflage wächst.

Gleichzeitig vereinfacht der eng umrissene Einsatzzweck die Entwicklung. Anders als Matter muss Aliro nicht mit so vielen Gerätekategorien und Plattform-Umgebungen umgehen. Henry: „Wir haben nicht annähernd so viel Spielraum. Unsere Tests sind geradliniger, und fast alles, was wir prüfen, hat einen hohen Stellenwert. In unserem Unternehmen (Lastlock) dauert es gerade einmal zehn Minuten, um die gesamte Testsuite durchlaufen zu lassen.“

Messefoto: Nuki
Showcase von Nuki mit einem modfizierten Keypad dessen integrierter NFC-Chip als Lesegerät für Aliro dient. Bild: Nuki

Die Markteinführung benötigt Zeit

Trotzdem fängt die Reise von Aliro gerade erst an. Mit Veröffentlichung der Spezifikationen können Hersteller Produkte finalisieren und bei der CSA zur Zertifizierung einreichen. Die Überprüfung durch Testlabore benötigt Zeit und mögliche Nachbesserungen können die Markteinführung verzögern, wie die Erfahrung mit Matter zeigt. Vielleicht gibt es deshalb noch keine konkreten Terminaussagen.

Jürgen Pansy etwa, Mitgründer und CIO des Smart-Lock-Herstellers Nuki, teilt auf Nachfrage mit: „Als Pioniere für Smart Access ist die Unterstützung offener Spezifikationen für uns keine Option, sondern eine Kernüberzeugung. User verdienen nahtlose Interoperabilität und zukunftssichere Technologie, unabhängig davon, für welches Ökosystem sie sich entscheiden. Wir sind davon überzeugt, dass Aliro 1.0 das nächste Zeitalter des sicheren, vernetzten Zutritts einläuten wird.“

Ein Nuki-Prototyp war während der IFA 2025 in Berlin zu sehen. Aqara, SwitchBot und Uniloq (Xthings) haben auf der CES 2026 Produkte gezeigt, die den Standard unterstützen sollen. Sie alle halten sich mit Ankündigungen aber zurück. Aus gutem Grund, denn neben den Schlössern müssen auch die Smartphones Aliro-fähig werden. Apple, Google und Samsung haben angekündigt, den digitalen Schlüsselcode in ihren Wallets zu verwalten. Wann dies der Fall sein wird, hängt von den strategischen Plänen dieser Plattformen ab. Auch das kennen wir bereits von Matter.

Das Smart Lock U400 von Aqara arbeitet mit Apple HomeKey und soll auf Aliro vorbereitet sein. Bild: Hersteller

Matter und Aliro spielen zusammen

Und dann kommt es auf die Ausgestaltung an. Technisch gesehen sind Aliro und Matter zwei getrennte Systeme. Sie operieren unabhängig voneinander. Entsprechend eingerichtet könnte ein Smartphone die Schlüsseldaten auch selbst ausstellen und verwalten. Die Zutrittsberechtigungen werden direkt ausgetauscht, das Lesegerät muss weder online sein noch mit einem Backend-System wie Matter verbunden. In der Praxis werden aber häufig Matter-Plattformen zum Einsatz kommen, um die Rechte anzulegen, zu aktualisieren oder zu löschen.

Apple, Google und Samsung mit SmartThings verfügen bereits über die nötigen Ökosysteme und werden sie höchstwahrscheinlich nutzen. Außerhalb von Privatwohnungen sieht es anders aus: „Nehmen Sie zum Beispiel Hotels“, erklärt Nelson Henry. „Dort kommen andere Lösungen zum Einsatz. Deshalb wurde Aliro so konzipiert, dass es auch hier agnostisch ist. Matter ist ein mögliches administratives Backend von Aliro, aber nicht das einzige.“

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