Aliro von der Connectivity Standards Alliance (CSA) ist eine offene Spezifikation, die darauf abzielt, die Zugangskontrolle (Access Control) zu vereinheitlichen. Man kann sie vereinfacht als „Matter für digitale Haustürschlüssel“ bezeichnen (link). Während Matter dafür sorgt, dass Smarthome-Geräte in einem Netzwerk miteinander sprechen („Schalte das Licht an“ oder „Ist die Tür verriegelt?“), soll Aliro das grundlegende Problem der Interoperabilität zwischen Schlüssel und Schloss lösen.
Der Markt wird bislang von proprietären Ökosystemen geprägt. Lösungen wie Apple HomeKey oder herstellerspezifische Bluetooth-Anwendungen binden die Nutzer an bestimmte Hardware-Software-Kombinationen. Mit dem „Aliro Communication Protocol“ entwickelt die CSA seit 2023 eine offene Spezifikation, die als universelle Schnittstelle zwischen dem digitalen Schlüssel (Credential) auf einem Smartphone oder Wearable und dem Empfänger am Schloss fungiert.

Technischer Ansatz und Übertragung
Im Gegensatz zu reinen Software-Lösungen definiert Aliro sowohl das Datenformat der Credentials als auch die physikalischen Übertragungswege. Der Standard setzt auf eine Kombination aus drei etablierten Funktechnologien, um möglichst viele Anwendungsfälle abzudecken:
- NFC (Near Field Communication): Dient als Basis für die klassische Zutrittskontrolle durch direktes Anhalten des Geräts. Ein wesentlicher Vorteil der NFC-Integration ist ihre Unabhängigkeit von Stromversorgung. Bei entsprechender Implementierung im Smartphone funktioniert NFC auch bei entladenem Akku.
- BLE (Bluetooth Low Energy): Wird primär für die initiale Kommunikation und Authentifizierung bei Annäherung an das Schließsystem genutzt.
- UWB (Ultra-Wideband): Ermöglicht eine präzise räumliche Ortung. Mittels Distanzmessung (Ranging) erlaubt UWB ein sicheres „Hands-free“-Öffnen, da das Schloss erkennen kann, ob sich der Nutzer unmittelbar vor der Tür befindet oder nicht. Das verhindert effektiv sogenannte Relay-Attacken, bei denen Funksignale verlängert werden, um unbefugt die Tür zu öffnen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Aliro und Matter. Beide werden von derselben Organisation verwaltet (CSA), haben aber unterschiedliche Jobs. Matter ist gewissermaßen der Hausmeister. Es kümmert sich um die Verwaltung und Steuerung: „Tür zu?“, „Verriegle das Schloss um 22 Uhr“, „Batteriestand niedrig“. Dafür kommuniziert Matter über ein vorhandenes IP-Netzwerk (Wi-Fi oder Thread). Der Aliro-Standard ersetzt den Pförtner. Es kümmert sich ausschließlich um den Zutritt: „Darf diese Person rein?“. Die Kommunikation findet dabei Aliro direkt zwischen Telefon und Schloss (Point-to-Point) statt, ganz ohne Wi-Fi oder Hub.
Ein modernes Smart Lock der Zukunft wird also beide Logos auf der Verpackung tragen: Matter für die Einbindung in Automationen und Aliro, damit Bewohner und Besucher mit jedem beliebigen Smartphone hereinkommen.
Breite Unterstützung durch die Industrie
Die Liste der Unterstützer liest sich wie ein Who-is-who der Tech-Branche: Apple, Google, Samsung, aber auch Sicherheits-Spezialisten wie Allegion (Axa, Briton, Falcon, Schlage, SimonsVoss) und Assa Abloy (Yale) sind dabei. Ein Signal, dass proprietäre Lösungen wie Apples HomeKey langfristig in Aliro aufgehen könnten oder Aliro als technischen Unterbau nutzen werden.
Die Spezifikationen von Alira 1.0 befinden sich in der Endabstimmung, mit ihrer Veröffentlichung ist im ersten Halbjahr 2026 zu rechnen. Dann können Hersteller auch erste Schlösser und Lesegeräte zertifizieren lassen. Auf der CES 2026 haben Unternehmen wie Aqara, SwitchBot und Xthings (Uniloq) erste Smart Locks angekündigt, die Aliro-kompatibel werden sollen. Nuki hat auf der IFA 2025 in Berlin bereits einen Prototypen gezeigt.
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