
Ein Interview mit Manfred Lehmann, Strategischer Produktmanager bei WAGO (link). Der deutsche Traditionshersteller von Elektrotechnik stellt gerade seine ersten Matter-fähigen Produkte vor. Was das für Elektriker bedeutet und welche Strategie das Unternehmen damit verfolgt, erklärt Lehmann im Gespräch mit matter-smarthome.
The interview was conducted in German.
Please click here for the English translation.
Herr Lehmann, warum setzt Wago auf den Matter-Standard – und warum gerade jetzt?
Manfred Lehmann: Das entspricht der Strategie von Wago. Wir wollen Elektriker befähigen, dauerhaft erfolgreich zu sein. Das haben wir schon immer mit unseren Produkten getan, etwa mit den Klemmen. Was bisher gefehlt hat, war der Zugang zur Automation für den Elektriker im Wohnbau. Wago-Automatisierungstechnik kommt vorwiegend im Zweckbau zum Einsatz. Mit der neuen Produktlinie WAGO Home Automation lassen sich einfach intelligente Häuser und Wohnungen realisieren. Der Matter-Standard ist dafür der Schlüssel. Er hat einen Trend gesetzt, der die Elektrobranche verändern wird. Wir sind überzeugt, dass auch Elektriker sich intensiv damit beschäftigen müssen.
Wieso ist Matter für Fachbetriebe so relevant?
Lehmann: Viele Geräte im Matter-Umfeld stammen aus der Consumer-Elektronik: smarte Lampen, Steckdosen oder Saugroboter. Der Endkunde bringt sein eigenes Ökosystem zur Steuerung mit. Die Herausforderung besteht darin, diese Consumer-Welt mit einer professionellen Gebäudeinstallation zu verbinden, etwa mit Jalousien oder künftig auch Wärmepumpen und Wallboxen.
„Wir sehen einen klaren Trend – weg von starren Systemen, die jahrelang unverändert bleiben.“
Dabei sehen wir einen klaren Trend – weg von starren Smarthome-Systemen, die einmal programmiert werden und jahrzehntelang unverändert bleiben. Stattdessen installiert der Elektriker die Basis und sein Kunde entwickelt das System dann selbst weiter.
Das klingt nach einem Paradigmenwechsel. Bislang haben Gebäudetechniker alles gemacht – von der Installation bis zur fertigen Automatisierung.
Lehmann: Ja, die Branche hatte häufig Mühe damit, investitionsintensive Komplettlösungen zu verkaufen. IoT-Geräte für deutlich unter 100 € senken diese Einstiegshürde gewaltig. So baut sich ein Smarthome über Jahre langsam auf. Heute starten Endkunden oft selbst, etwa mit smartem Licht, und kommen später zum Fachbetrieb, um weitere Gewerke wie die Jalousien zu automatisieren. Genau an dieser Stelle setzen wir mit WAGO Home Automation an.
Warum bieten Sie Ihr Sortiment in zwei Funkversionen an? Andere Hersteller entscheiden sich für Matter over Wi-Fi oder Matter over Thread?
Lehmann: Grundsätzlich setzen wir auf Thread. Wir sind überzeugt, dass dies der richtige Kommunikationsstandard für das Smarthome der Zukunft ist. Das Mesh-Netzwerk, die Reichweite und der geringe Energiebedarf sprechen eindeutig dafür. Wi‑Fi sehen wir eher für Haushalte mit einem älteren Matter-Controller ohne Thread-Border-Router.
Es hat also nichts damit zu tun, dass manche Hersteller mit Thread Verbindungsprobleme hatten? Und dass Wi-Fi insgesamt weiter verbreitet ist?
Lehmann: Nein, es ging nie darum, eine zweite Variante in der Hinterhand zu haben, falls Thread sich am Markt nicht durchsetzen sollte. Wir glauben fest an Thread. Das ist der richtige Kommunikationsstandard für diesen Einsatzzweck.
„Wir glauben fest an Thread. Das ist der richtige Kommunikationsstandard für diesen Einsatzzweck.“
Für viele Elektriker sind diese Themen neu. Worauf müssen Installateure sich einstellen?
Lehmann: Mit Matter kommen neue Anforderungen auf den Fachbetrieb zu, insbesondere im Umgang mit IP- und Heimnetzwerken. Gleichzeitig ist die Inbetriebnahme deutlich einfacher als bei traditionellen Lösungen. Es werden keine Schulungen oder spezielle, proprietäre Systemkomponenten benötigt.
Im Kern geht es um das Scannen von QR-Codes und die Integration in ein Matter-Ökosystem. Für beide Aufgaben bieten wir Smartphone-Apps an: Es gibt eine Elektriker-App und eine App für Endkonsumenten. Dennoch braucht es natürlich ein gewisses Grundverständnis für Netzwerke, weshalb wir Fachbetriebe mit Online-Tutorials und Schulungsangeboten unterstützen.
Wie funktioniert das mit den beiden Inbetriebnahme-Apps bei Wago?
Lehmann: Der Handwerker scannt mit dem Feature Home Setup in seiner WAGO App schon vor der Installation die einzelnen QR-Codes der Geräte. Er legt Räume an und parametriert Funktionen wie die Schalterkonfiguration, Dimmkurven und Jalousielaufzeiten. Dabei entsteht eine Projektdokumentation mit allen Informationen und Geräte-Codes in digitaler Form.
Die Projektdatei erhält nach Abschluss der Montage der Endkunde. Er importiert sie in seine WAGO Home Setup App. Hier lassen sich alle vorbereiteten Geräte direkt an das gewünschte Matter-Ökosystem übergeben – ohne noch einmal Scans durchführen zu müssen. Änderungen an den Einstellungen oder eigene Scans sind aber trotzdem möglich.
Wie sieht es mit Haftungs- und Supportfragen nach dieser Übergabe aus?
Lehmann: Aktuell gibt es noch keine formale Abnahmefunktion im Prozess. Perspektivisch denken wir darüber nach, die App weiterzuentwickeln, um auch nach der Installation mehr Unterstützung zu bieten. Allerdings ist klar, dass sich das System nach der Übergabe an den Endkunden weiter verändern wird.
Wodurch unterscheiden sich Ihre Module von anderen Produkten auf dem Markt? Warum sollen Elektriker sich für Wago entscheiden?
Lehmann: Unsere Module haben Wago-Qualität und belegen das durch eine VDE-Zertifizierung. Ich kenne keinen anderen Hersteller, der Unterputz-Aktoren mit diesem Prüfsiegel anbietet. Der Fachbetrieb kann sich auf diese Qualität verlassen. Hinzu kommt die einfache Installation mit Hebelklemmen.
„Ich kenne keinen anderen Hersteller, der Unterputz-Aktoren mit VDE-Prüfsiegel anbietet.“
Außerdem funktioniert jedes Modul auch als Generic Switch: Der Eingang kann unabhängig vom Ausgang genutzt werden. Während der Aktor etwa ein angeschlossenes 230-Volt-Licht schaltet, ruft der vorgesetzte Taster Matter-Szenen auf – mit kurzem, langem oder doppeltem Tastendruck. Das ist ebenfalls eine Besonderheit.
Und dann kennen wir natürlich den Arbeitsalltag der Elektriker. Das merkt man daran, dass Ein- und Ausgang der Module ab Werk miteinander verknüpft sind. So funktioniert die Schaltung direkt nach dem Einbau und muss nicht erst per App konfiguriert werden wie bei anderen Herstellern.
Wie geht die Entwicklung weiter? Wo will Wago mit Matter hin?
Lehmann: Wago steht traditionell für offene, herstellerunabhängige Systeme. Mit Matter gehen wir diesen Weg konsequent weiter. Wir bauen ein dediziertes Team auf, starten mit acht Produkten und wollen gemeinsam mit dem Elektriker den Markt für Smarthome nachhaltig aufbauen. Wir wollen also in diesen Markt richtig rein – und Bereiche abdecken, in denen Wago auch heute schon präsent ist.
Die neuen Relais sind dabei so etwas wie die bisherigen Klemmen in smarter Ausführung. Wenn man sich anschaut, wo wir sonst noch zu finden sind, wäre der Schaltschrank ein logischer nächster Schritt. Aber mehr möchten wir dazu aktuell noch nicht sagen.
Herr Lehmann, vielen Dank für dieses Gespräch.
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