matter-Vorteile #1: die lokale Verbindung

Der herstellerübergreifende matter-Standard regelt nicht nur die Kommunikation zwischen Geräten im Smarthome. Er definiert auch bestimmte Funktionen. Zum Beispiel, wie sie ihre Steuerbefehle empfangen. Dazu muss man wissen, dass heutzutage viele fernbedienbare WLAN-Lampen, Steckdosen und andere sogenannte IoT-Produkte (Internet of Things) konstant mit dem Internet verbunden sind.

Die Smartphone-App steuert sie nicht direkt, sondern schickt Befehle an einen Webserver. Technisch gesehen kann es sich auch um mehrere Server oder eine ganze Serverfarm handeln, die der Anbieter unterhält. Weil das Ziel so wolkig und schwer zu greifen ist, hat sich für Server-Lösungen im Internet die Bezeichnung Cloud eingebürgert (englisch für „Wolke“).

Die Datenwolke verarbeitet Informationen und schickt das gewünschte Steuersignal übers Internet zurück an die Lampe oder den Heizungsregler. Auch Sprachassistenten wie Amazon Alexa funktionieren so. Nur dass der Server eben Audioclips der Sprachaufnahmen bekommt – statt manueller Touchscreen-Kommandos von einem Smartphone.

Cloud-zu-Cloud-Verbindung

Grafik: Cloud-zu-Cloud-Verbindung
Mit Alexa & Co. kommunizieren zwei Clouds über das Internet.

Mit einer Smarthome-Steuerung wie Alexa oder dem Google Assistant sind strenggenommen schon zwei Datenwolken im Spiel: die Cloud von Amazon beziehungsweise Google und das Rechenzentrum des Geräteanbieters. Beide stehen übers Internet in Kontakt. Soll zu Hause das Licht angehen, läuft der Befehl zunächst in die Cloud des Steuersystems, dann zur Geräte-Cloud und schließlich von dort zurück nach Hause.

Was auf dem Weg passiert, können Nutzerinnen und Nutzer aus der Ferne schwer nachvollziehen. Ist die Übertragung verschlüsselt und abhörsicher? Wer hat Zugriff auf die Daten, wenn der Server in einem Land mit anderen Gesetzen und Bestimmungen wie zum Beispiel China steht?

Grafik: Cloud-zu-Cloud mit mehreren Anbietern
Mit weiteren Geräteanbietern steigt auch die Zahl der verbundenen Cloud-Dienste.

Diese Fragen multiplizieren sich, je mehr Produkte mit eigener Cloud hinzukommen. Im schlimmsten Fall kommuniziert das Smarthome dann abwechselnd mit Servern auf der ganzen Welt und überlässt überall Datenspuren. Dabei müssen oft mehrere Verbindungen gleichzeitig offen gehalten werden. Dass cloudbasierte Systeme überhaupt so gut funktionieren, wie sie es heute tun, grenzt manchmal an ein Wunder.

Neben Datenschutzbedenken gibt es aber noch einen weiteren Grund, die Cloud-zu-Cloud-Verbindung kritisch zu sehen: ihre Abhängigkeit vom Internet. Fällt der Server eines Anbieters oder gar der heimische Internetzugang aus, funktioniert die Steuerung nicht mehr. Die Befehle bleiben stecken oder landen irgendwo im Daten-Nirwana.

Die lokale Verbindung

Grafik: lokale Verbindung
matter-komaptible Systeme steuern lokal im Netzwerk, Hersteller-Clouds sind optional.

matter Löst das Problem, indem es von vorneherein eine lokale Steuerung vorsieht. Lokal heißt in diesem Fall: Ein matter-kompatibles Gerät muss für Apps und Smarthome-Steuerzentralen im heimischen Netzwerk erreichbar sein – ohne Umweg übers Internet. Das Smartphone, Smart-Display oder ein anderes Bediengerät kommuniziert zu Hause direkt im Netzwerk des Routers mit ihnen. Apple HomeKit funktioniert schon immer so, die übrigen Anbieter von matter-kompatiblen Steuersystemen übernehmen das Prinzip. So haben Amazon, Google und SmartThings bereits begonnen, den lokalen Betrieb auf ihren Steuerzentralen einzuführen.

Für Sprachassistenten gilt die Vorgabe noch nicht. Zwar gibt es bei den Anbietern Bestrebungen, auch Alexa, Siri & Co. unabhängiger vom Internet zu machen, doch stecken diese noch in den Kinderschuhen. Bis es so weit ist, bleiben matter-Geräte per App und Display erreichbar, wenn der Haushalt offline geht. Außerdem hinterlassen sie weniger Datenspuren im Internet, weil im Zweifelsfall eine einzige Cloud – die des Systemanbieters – für die Steuerung genügt. Cloud-Dienste der Gerätehersteller wird es jedoch weiterhin geben. Der Standard sieht sie als zusätzliche Option vor, mit der Anbieter ihre eigenen Ideen und Funktionen verwirklichen können.


Diesen Beitrag teilen: